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Civey-Umfrage: Zukunft der hausärztlichen Versorgung hat wachsenden Einfluss auf Wahlentscheidungen / Befragte erwarten Verschlechterung durch GKV-Spargesetz / Hausärztinnen- und Hausärzteverband legt 6-Punkte-Plan vor

Berlin, 10. September 2026 – Die Zukunft der hausärztlichen Versorgung gewinnt für die Menschen in Deutschland immer weiter an Relevanz. 51 Prozent der Bürgerinnen und Bürger – und damit 14 Prozentpunkte mehr als vor zwei Jahren – geben an, dass die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung Einfluss auf ihre Wahlentscheidung hat. 81 Prozent sagen, dass sie entscheidenden Einfluss auf die Lebensqualität in ihrer Region hat. Gleichzeitig erwartet die übergroße Mehrheit eine Verschlechterung der Lage durch das beschlossene GKV-Spargesetz. Vor diesem Hintergrund hat der Hausärztinnen- und Hausärzteverband einen 6-Punkte-Plan mit konkreten Maßnahmen vorgelegt, die Bundesgesundheitsminister Dr. Carsten Linnemann in dieser Legislaturperiode umsetzen muss, um die hausärztliche Versorgung zu stabilisieren. 

Die zentralen Ergebnisse der repräsentativen Civey-Umfrage unter 5.000 Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern ab 18 Jahren im Auftrag des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes lauten:

  • 44 Prozent der Befragten geben an, dass sich ihrer Einschätzung nach die hausärztliche Versorgung in ihrer Region in den vergangenen fünf Jahren verschlechtert hat. Dabei sind deutliche regionale Unterschiede zu beobachten. Während beispielsweise in Bayern 40 Prozent eine Verschlechterung wahrnehmen, sind es in Sachsen-Anhalt 55 Prozent.

  • Fast alle Befragten befürchten negative Folgen durch das GKV-Spargesetz. 62 Prozent erwarten längere Wartezeiten, 60 Prozent, dass die Hausärztinnen und Hausärzte weniger Zeit für sie haben. Nur sechs Prozent erwarten keine spürbaren Auswirkungen, sieben Prozent effizientere Abläufe.

  • 81 Prozent sagen, dass die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung entscheidenden Einfluss auf die Wohn- und Lebensqualität in ihrer Region hat.

  • 51 Prozent geben an, dass die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung ihre Wahlentscheidung bei den kommenden Wahlen beeinflusst. Das sind rund 14 Prozentpunkte mehr als vor zwei Jahren. Insbesondere für Jüngere ist dies ein entscheidendes Thema.

  • Eine Mehrheit von 51 Prozent hält die Verschärfung der Regeln bei der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) durch die Abschaffung der telefonischen AU sowie der AU ab dem ersten Tag für falsch.

„Die hausärztlichen Praxen stehen derzeit unter einem enormen Druck. Das GKV-Spargesetz kürzt massiv in der hausärztlichen Versorgung, gleichzeitig will die Bundesregierung den Praxen immer neue Aufgaben aufhalsen, beispielsweise in der Notfallversorgung oder durch die vollkommen sinnlose Verschärfung der AU-Regeln. Das kann und wird nicht gutgehen! Die Menschen haben längst erkannt, was auf dem Spiel steht, und sind zunehmend besorgt. Wir brauchen ganz dringend ein Signal der Bundesregierung, dass die Politik die hausärztlichen Praxen stützt, statt sie immer weiter zu rasieren“, sagte Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth, Co-Bundesvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes.

Dr. Markus Blumenthal-Beier, Co-Bundesvorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, ergänzt: „Die Umfrageergebnisse zeigen ganz deutlich: Für die Menschen in unserem Land hat die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung absolute Priorität – die auch Wahlen mitentscheiden kann. Wenn 81 Prozent der Menschen sagen, dass die Sicherstellung der hausärztlichen Versorgung entscheidenden Einfluss auf die Wohn- und Lebensqualität in ihrer Region hat, dann muss Schluss damit sein, so zu tun, als ob hausärztliche Versorgung ein „Nice-to-have“ wäre. Dieses Thema braucht endlich auch im politischen Berlin die Aufmerksamkeit, die es verdient.“

Um die hausärztliche Versorgung in den kommenden zwei Jahren zu stabilisieren, fordert der Hausärztinnen- und Hausärzteverband noch in dieser Legislatur die Umsetzung sechs konkreter Maßnahmen durch Bundesgesundheitsminister Dr. Carsten Linnemann: 

1. Die Umsetzung eines verbindlichen Primärversorgungssystems – inklusive der Stärkung der Verträge zur Hausarztzentrierten Versorgung (HZV)
2. Die Rücknahme der Versorgungsbremsen aus dem GKV-Spargesetz
3. Die Umsetzung der GOÄ
4. Die Regulierung investorenfinanzierter MVZ
5. Die Einführung einer Bagatellgrenze bei Regressen, um so die Kassenbürokratie einzudämmen
6. Die Streichung der AU-Pflicht ab dem ersten Tag sowie die Beibehaltung der Telefon-AU

„Die Umsetzung dieser Maßnahmen würde den hausärztlichen Praxen Luft zum Atmen verschaffen und gleichzeitig einige der seit vielen Jahren überfälligen Reformen endlich einleiten. Keiner der Vorschläge ist unfinanzierbar! Herr Linnemann hat es in der Hand, jetzt die richtigen Schritte einzuleiten, damit sichergestellt ist, dass die Menschen in einigen Jahren nicht vor geschlossenen Praxistüren stehen“, so Blumenthal-Beier. 

„Zentral ist für uns, dass das geplante hausärztliche Primärversorgungssystem klug und in Kooperation mit den hausärztlichen Praxen umgesetzt wird. Ansonsten wird die Reform krachend scheitern. Die Stärkung und der Ausbau der HZV ist dabei für uns unverhandelbar. Ohne die HZV hätten schon heute Tausende Praxen die Segel gestrichen“, sagte Buhlinger-Göpfarth.

Heute beginnt in Berlin der 47. Hausärztinnen und Hausärztetag mit dem neuen Format „Politik im Dialog“. Hier diskutieren Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Selbstverwaltung und Wissenschaft über die aktuellen gesundheitspolitischen Herausforderungen. Am morgigen Freitag findet dann die Delegiertenversammlung des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes statt, in welcher die zentralen Leitlinien des Verbandes festgelegt werden. Hierfür kommen rund 120 Delegierte aus ganz Deutschland zusammen. 

Beide Veranstaltungen werden unter www.haev.de im Livestream übertragen. 

Civey hat im Auftrag des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes vom 25.08.2026 bis 27.08.2026 online 5.000 Bundesbürgerinnen und Bundesbürger ab 18 Jahren befragt. Die Ergebnisse sind aufgrund von Quotierungen und Gewichtungen repräsentativ unter Berücksichtigung des statistischen Fehlers von 2,7 Prozentpunkten beim jeweiligen Gesamtergebnis.