Berlin, 22.04.2026 – Anlässlich der Notfallreform, die heute vom Bundeskabinett behandelt wird, erklären die Bundesvorsitzenden des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth und Dr. Markus Beier:
„Mit der Notfallreform, die das Bundeskabinett heute auf den Weg bringen will, macht die Bundesregierung den Patientinnen und Patienten Versprechen, die sie nicht wird halten können. Insbesondere der Plan, einen 24/7-aufsuchenden Hausbesuchsdienst und einen 24/7-telemedizinischen Dienst aufzubauen, wird scheitern. Dafür fehlen schlicht und einfach die Hausärztinnen und Hausärzte sowie die nicht-ärztlichen Fachkräfte.
Die Wahrheit ist: Es wird mit Ressourcen geplant, die es nicht gibt! Die Folge wird sein, dass Hausärztinnen und Hausärzte sowie nicht-ärztliche Fachkräfte aus den Praxen abgezogen werden müssten, um in der Notfallversorgung zu arbeiten. Die Notaufnahmen sollen also auf dem Rücken der hausärztlichen Praxen entlastet werden! Dieser Schuss wird nach hinten losgehen, denn wir wissen inzwischen aus unzähligen Studien, dass eine wegbrechende niedrigschwellige Vor-Ort-Versorgung zu mehr Einweisungen in die Notaufnahmen führt.
Statt diesen Teufelskreis durch eine Stärkung der Praxen zu durchbrechen, heizt die Bundesregierung ihn mit diesem Gesetz sogar noch an! Gleichzeitig plant sie durch das GKV-Spargesetz der hausärztlichen Versorgung sogar noch weitere Ressourcen zu entziehen! All das passt vorne und hinten nicht zusammen.
Dass diese Reform nicht zu Ende gedacht ist, zeigen auch die Regelungen zum Dispensierrecht. Zwar ist es richtig und überfällig, dass Ärztinnen und Ärzte unter klar definierten Umständen Medikamente im Notdienst abgeben können. Weswegen das allerdings nur in den Notdienstpraxen und nicht im Bereitschaftsdienst – also, wenn wir die Menschen nachts und am Wochenende zu Hause aufsuchen – möglich sein soll, erschließt sich überhaupt nicht! Das ist schlichtweg irrational. Die Folge ist, dass wir kranken, häufig immobilen Patientinnen und Patienten mitten in der Nacht sagen müssen, dass sie leider in die viele Kilometer entfernte Notdienstapotheke müssen, um ihr dringend benötigtes Medikament zu erhalten.
Wir erwarten, dass die Bundesregierung im Rahmen des parlamentarischen Verfahrens diese offensichtlichen Fehlentwicklungen erkennt und korrigiert. Ansonsten muss sie den Patientinnen und Patienten wenigstens ehrlich sagen, dass für die Entlastung der Notfallversorgung die Versorgung in anderen Bereichen zusammengestrichen wird.“