Berlin, 21.07.2026 – Zu der gestern vom Bosch Health Campus veröffentlichten Studie „Primärversorgung 2035+. Gesundheit vor Ort neu gestalten – Perspektiven für Baden-Württemberg, Impulse für Deutschland“ erklären die Bundesvorsitzenden des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth und Dr. Markus Blumenthal-Beier:
„Die Studie zeigt ganz klar: Ein Primärversorgungssystem kann gelingen – aber nur, wenn die Politik jetzt das Ruder herumreißt. Die Zeit der Schwächung der Hausarztpraxen muss vorbei sein. Sonst scheitert nicht nur Nina Warkens Primärversorgungsreform, sondern auch die Vor-Ort-Versorgung der Menschen. Was es jetzt braucht, ist eine konsequente Stärkung der Hausarztpraxen und eine zielgerichtete Förderung derjenigen Strukturen, die eine zukunftsfähige hausärztliche Versorgung ermöglichen.
Die vom IGES-Institut vorgelegten Zahlen sind alarmierend: Ohne Gegensteuern könnte schon in 15 Jahren jeder fünfte Hausarztsitz unbesetzt bleiben. Diese Entwicklung muss die Bundesgesundheitsministerin aufschrecken. Statt die Hausarztmedizin zu stärken, wurde zuletzt ein Kürzungsprogramm gefahren. Die mit dem Spargesetz durchgesetzten Maßnahmen werden die Situation in den Praxen weiter verschärfen. Auch darauf weisen die Studienautoren zu Recht hin.
In der Studie werden aber auch Lösungswege aufgezeigt. Empfohlen werden insbesondere eine verbindliche Steuerung mit klaren Zuständigkeiten, der konsequente Ausbau der interprofessionellen Teamarbeit und attraktivere Arbeitsbedingungen für die Hausarztpraxen. Dann kann ein Primärversorgungssystem auch gelingen. Dass das die richtigen Hebel sind, sehen wir in der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV). Hier werden diese Faktoren bereits konsequent umgesetzt und ausgebaut. Die HZV zeigt damit bereits heute, wie moderne Primärversorgung funktioniert! Deshalb ist es richtig, dass die Koalition im Rahmen ihrer Reform eines verbindlichen Primärversorgungssystems auf diese bessere Versorgungsstruktur setzen will. Doch auch die HZV wurde zuletzt im Rahmen des Spargesetzes ausgebremst. Damit muss jetzt Schluss sein! In der verbleibenden Legislatur muss das Bundesgesundheitsministerium konsequent auf die Förderung der Hausarztpraxen und der Hausarztzentrierten Versorgung setzen!“