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Pressestatement zur Chronikerpauschale

Berlin, 13.03.2026 – Zur Einigung zwischen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und dem GKV-Spitzenverband auf eine neue Versorgungspauschale für bestimmte Chroniker, erklären die Bundesvorsitzenden des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth und Dr. Markus Beier:

„Diese Regelung ist eine weitere Bankrotterklärung des Systems der Selbstverwaltung.

Das ursprüngliche Ziel des Gesetzgebers war es, mittels einer Jahrespauschale dafür zu sorgen, dass Millionen Chroniker nicht jedes Quartal in die Praxen müssen, obwohl das medizinisch nicht notwendig ist. Herausgekommen ist eine chaotische Halbjahrespauschale für einen sehr kleinen Kreis von Chronikern, die die Praxen mehr belastet als entlastet. Gleichzeitig ändert sich für den allergrößten Teil der Chronikerversorgung gar nichts.

Die hausärztlichen Praxen sind jetzt wieder einmal gezwungen, den Rechenschieber rauszuholen und sich durch den Wust an hochkomplexen Regelungen zu kämpfen. Allein die Identifikation der betroffenen Patientinnen und Patienten ist alles andere als trivial.

Laut Gesetz darf diese Regelung bekanntlich weder zu Mehr- noch zu Minderausgaben der Kassen führen. Wir werden sehr genau darauf achten, dass die Krankenkassen der hausärztlichen Versorgung nicht auch nur einen Euro entziehen! Was diese Reform jedoch im Detail finanziell für die einzelnen Praxen bedeutet, ist eine Lotterie. Die Regelungen beinhalten so viele Querverweise und Abhängigkeiten, dass es fast unmöglich ist, vorauszusagen, wie sich das auf die jeweiligen Einzelfälle auswirkt.

Man muss es so klar sagen: Dieser EBM ist nicht reformierbar. Die Selbstverwaltung hat die ärztliche Vergütung über Jahrzehnte hinweg mit immer kleinteiligeren Regelungen zu einem Monstrum verwandelt, das sie nicht mehr gezähmt bekommt.

Klar ist: Spätestens, wenn es bei der Umsetzung eines Primärversorgungssystems konkret wird, muss sich auch die Vergütungssystematik im EBM grundlegend ändern. Ansonsten wird die Reform scheitern, denn auf Grundlage dieses EBM, wird Primärversorgung nicht funktionieren. Wenn allerdings schon die Umsetzung der Chronikerpauschale ewig dauert und am Ende so aussieht, dann ist es illusorisch zu glauben, dass das in Zukunft bei deutlich komplexeren Problemen besser laufen wird. Wir Hausärztinnen und Hausärzte müssen und werden auf die Verträge zur Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) bauen, in denen ein einfaches und auf Pauschalen fußendes System schon längst Realität ist.“