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Hausärztinnen- und Hausärzteverband Mitgliederumfrage zeigt: Dramatisch schlechte Stimmung in Hausarztpraxen

Berlin, 11. September 2026 – Zum Start seiner Delegiertenversammlung im Rahmen des 47. Hausärztinnen- und Hausärztetages warnt der Hausärztinnen- und Hausärzteverband Politik und Selbstverwaltung davor, den wachsenden Frust der Hausarztpraxen unbeantwortet zu lassen und so zu riskieren, dass immer mehr Praxen die Versorgung verlassen. Im Vorfeld des 47. Hausärztinnen- und Hausärztetages hat der Verband eine Mitgliederbefragung durchgeführt. Dabei gaben knapp 80 Prozent an, dass die Attraktivität ihres Berufes in den vergangenen fünf Jahren abgenommen hat. Für knapp 70 Prozent der Befragten hat sich die wirtschaftliche Situation der Praxen über den gleichen Zeitraum verschlechtert. Die Bundesvorsitzenden des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth sowie Dr. Markus Blumenthal-Beier, warnen: „Mit der Hausarztmedizin steht ein zentraler Pfeiler der Gesundheitsversorgung vor existenziellen Herausforderungen. Wenn Politik und Selbstverwaltung nicht bald ihren Kurs wechseln und unsere Praxen finanziell wie strukturell stärken, dann wird die hausärztliche Versorgung in so mancher Region ins Rutschen geraten. Das würde Versorgungslücken reißen, die wir künftig nicht mehr schließen können.“

Die zentralen Ergebnisse der Mitgliederbefragung des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes lauten:

  • 77,7 Prozent gaben an, dass die Attraktivität des hausärztlichen Berufes in den vergangenen fünf Jahren deutlich abgenommen bzw. abgenommen hat. Für nur 8,4 Prozent ist sie gestiegen oder deutlich gestiegen.

  • Knapp 68 Prozent der Befragten gaben an, dass sich die wirtschaftliche Situation der hausärztlichen Praxen seit fünf Jahren verschlechtert oder deutlich verschlechtert hat. Lediglich 15,9 Prozent gaben an, dass die wirtschaftliche Situation auf dem gleichen Niveau geblieben ist.

  • Das größte wirtschaftliche Potenzial sehen die Praxen in Zukunft in der Hausarztzentrierten Versorgung (knapp 35 Prozent), gefolgt von privaten bzw. Selbstzahlerleistungen (rund 33 Prozent). Nur 8,9 Prozent gaben die Vergütung im Rahmen der Regelversorgung (EBM) an.

  • Knapp 90 Prozent der Befragten haben derzeit das Gefühl, dass ihre Leistungen und die ihres Teams von der Politik nicht oder eher nicht ausreichend anerkannt werden. 3,1 Prozent sind unentschieden, lediglich 3,9 Prozent sehen ihre Leistungen ausreichend anerkannt.

Die Ergebnisse basieren auf einer Online-Befragung, an der sich vom 26. August bis 6. September 2026 etwa 4.700 Personen beteiligten. Die Befragung richtete sich ausschließlich an Hausärztinnen und Hausärzte (4.550); eine individuelle Verifikation der Teilnehmerangaben erfolgte nicht. Die Ergebnisse sind daher als Stimmungsbild der Teilnehmenden, nicht jedoch als repräsentative Erhebung zu verstehen.

„Politik und Selbstverwaltung sollten nicht den Fehler machen und sich darauf verlassen, dass die Hausarztpraxen unter jedweder Bedingung weiterbuckeln. Das Limit ist längst erreicht und die Stimmung in den Praxen im Keller. Wachsende Bürokratie, steigender finanzieller und Versorgungsdruck und auch ständig wechselnde politische Anforderungen zwängen uns in ein Korsett, in dem eine hochwertige Hausarztmedizin praktisch unmöglich ist“, so Buhlinger-Göpfarth.  „Vor diesem Hintergrund ist die Ankündigung der Politik die Fixkostendegression zu streichen ein dringend benötigtes Signal der Entlastung. Wichtig für unsere Praxen ist nun, dass wir nicht bei Verkündigungen stehen bleiben. Die Fixkostendegression muss wegfallen.“

Blumenthal-Beier ergänzt: „Die HZV ist der Anker, der die Hausärztinnen und Hausärzte noch in ihren Praxen – und in einer hochwertigen Versorgung im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung – hält. Über zehntausend Praxen sind wirtschaftlich abhängig von diesen Verträgen, die ihnen nicht nur finanzielle Stabilität, sondern auch strukturell die Rahmenbedingungen ermöglichen, die sie für eine hochwertige Versorgung brauchen. Ohne die HZV würden viele Hausärztinnen und Hausärzte in den nächsten Jahren ihre Koffer packen. Dem EBM trauen die Kolleginnen und Kollegen nachvollziehbarerweise fast nichts zu.“

Auch die Delegierten werden im Rahmen ihrer Versammlung konkrete Maßnahmen zur Stärkung der Praxen und der HZV abstimmen und dabei auch noch einmal die Leitplanken für das angedachte Primärversorgungssystem festlegen. Darüber hinaus beraten die Delegierten über weitere Weichenstellungen, etwa mit Blick auf die laufende Notfallreform sowie die geplanten Maßnahmen zur Verschärfung der Regelungen rund um die Arbeitsunfähigkeit.

Heute beginnt der zweite Tag des 47. Hausärztinnen- und Hausärztetages in Berlin mit dem Bericht zur Lage der Bundesvorsitzenden des Verbandes. Zudem findet die Delegiertenversammlung statt, in welcher die zentralen Leitlinien des Verbandes festgelegt werden. Hierfür kommen rund 120 Delegierte aus ganz Deutschland zusammen. Die Veranstaltung wird auch im Livestream übertragen auf www.haev.de.